Was Max Giesinger mit Vereinbarkeit zu tun hat

Heyho, da schreibe ich heute mal wieder. Seit Esra und ich mit diesem Blog begonnen haben, fallen mir im Alltag ständig Situationen auf, bei denen es um die Zerreißprobe zwischen dem Geld-Verdienen, Geld-Erhalten und dem Glücklich-Sein geht. Heute war es ein Song aus dem Auto-Radio, der sicherlich schon tausendmal an mir vorbei gedudelt war. Heute hörte ich zum ersten Mal richtig hin – Max Giesinger mit dem Song „Wenn Sie tanzt“. Habt ihr euch schonmal die Texte genau angehört?

Wenn nicht, hier der Anfang des Songs:

Ne ganz normale fünfzig Stunden Woche
Heim kommen und erst mal für die Kleinen kochen
Ist für sie ja kein Problem
Weil die Kids für sie an erster Stelle stehen
Sie fragt sich wie es gelaufen wär‘
Ohne Kinder
Selber laufen lernen
Aber ihr Tag lässt keine Pause zu
Sie will träumen, macht die Augen zu
Und wenn sie tanzt
Ist sie wo anders
Für den Moment
Dort wo sie will…

Songs aufnehmen im Auto.

Wenn das Leben einen bei einem Radio Song erwischt 🙂 Photo by Oliur Rahman

Als die Worte auf mich einprasselten, schießen mir 1000 Gedanken durch den Kopf, unter anderem: „Woher kennt dieser junge Mann die Problematik?“, und „Gibt es vielleicht viel mehr Menschen, die sich fragen, ob das Leben ohne Kinder leichter wäre?“ Im gleichen Moment dachte ich, dass ich mich auf der Stelle schämen sollte, ein solches Gefühl zu kennen. Dieses Gefühl, zu bereuen, etwas zu verpassen und sei es nur eine Mütze Schlaf. Der aufkeimende Neid bei dem Anblick der Urlaubsbilder von Fremden und Freunden auf Instagram, Facebook und Co.; der Anblick von straffen Bikini-Figuren, besonders von Bäuchen.

Ja, manchmal frage ich mich, wo ich jetzt wäre, wenn ich kein Kind hätte und schwanger mit dem Zweiten wäre. Allein gestern, als unsere Gäste den Baileys mit Schoko und Eiswürfeln in sich reinkippten und ich daneben saß mit einem Apfelsaft… Selbstmitleid kann eine echte Bitch sein – ihr entschuldigt meine Ausdrucksweise. Aber mal ehrlich, wo wäre ich ohne Kinder? Ich wäre genau da, wo ich vorher stand! Ich hätte keine Millionen auf dem Konto, hätte einen Kopf voller Träume und hätte keinen davon abgearbeitet.

Wenn ich meinen Sohn nicht bekommen hätte, wäre ich nie in Elternzeit gewesen, hätte nie über Selbstständigkeit oder unternehmerische Tätigkeit nachgedacht. Ich hätte niemals wowdio (www.wowdio.de) gegründet, weil ich gar nicht die Zeit dazu gehabt hätte. Ich hätte nie Esra kennengelernt und am Allerwichtigsten: Ich wüsste gar nicht, wie stark ich wirklich bin.

Seit ich ein Kind habe, ist meine Zeit kostbarer und ich nutze sie intensiver und produktiver. Ich plane Ausflüge, bin viel an der frischen Luft, bin auf Events als Sprecherin eingeladen (zum Beispiel am 19.10. auf der Digital Sounds Konferenz) erhalte Auszeichnungen und lebe das aus, was ich von einigen – leider viel zu wenigen – weiblichen Vorbildern abgeschaut habe: STARK SEIN, NACH VORNE SCHAUEN, BESSER WERDEN, WEITER MACHEN, GLÜCKLICH SEIN.

Dennoch, der Song von Max Giesinger hatte seine gedanklichen Spuren hinterlassen – meine Gefühle drehten Achterbahn. Als sich dann endlich mein Kopf einschaltete, bekam ich sofort Mitleid mit der Frau, von der in dem Song die Rede war. Die mit dem Vollzeit-Job, den Kindern, um die sie sich eventuell alleine kümmert und den all den ungedeckten Bedürfnissen. Ungedeckte Bedürfnisse, die dazu führen, dass sie sich nach ihrer alten Freiheit sehnt. Kein Wunder, dass man damit nicht glücklich werden kann. Glücklich wird man doch nur, wenn man sich der Probleme des eigene Lebens annimmt und sie aus der Welt schafft! Geld ist nicht dein Problem, das weiß ich heute. Geld kommt von ganz alleine, wenn du das tust, was du liebst. Aber eine 50 Stunden-Woche und Abends kochen für die Kids? Wer will denn SO leben??? Mal ganz ehrlich, ist das ein Leben? Keine Pause für sich selbst, kein Durchatmen?

Depressiv im Waschsalon.

Habt ihr auch so viel Spaß bei der Hausarbeit 😀 Photo by Christopher Roller

Aus meiner Sicht ist es ganz klar: Die Frau in dem Song hat sich selbst versklavt. Sie hat ihre Zeit gegen Geld eingetauscht und zerreißt sich jetzt in 1000 Stücke. Und wer leidet darunter? Im ersten Moment, möchte man sagen: „Die Kinder natürlich“, aber das finde ich nur an zweiter Stelle richtig.
Viel richtiger ist, dass an allererster Stelle SIE leidet. Und sie leidet, obwohl SIE der Herrscher in ihrem eigenen Leben und des eigenen Glückes Schmied ist. Das heißt, sie geht diesen Weg OBWOHL sie es nicht muss. Zumindest fällt mir gerade kein Grund ein, warum man 50 Zeitstunden arbeitet, auch wenn man völlig überlastet ist. Den Kindern ist es wahrscheinlich nicht so wichtig, WIE LANGE Mama täglich arbeitet, sondern, ob Mama mit positiver und reichhaltiger Energie nach Hause kommt. Eine Frage, die ich mir als Kind immer gestellt habe, ist: „Ist meine Mutter glücklich?“

Wow, jetzt weiß ich auch, warum der Song mich emotional so mitnimmt. Er erzählt die Geschichte MEINER Mutter. Eijeijei, ich habe mich selber ertappt… Aber vielleicht geht es euch ja auch so? Meiner Meinung nach können die Kinder nichts für die Situation und sie können selber auch nichts daran ändern. Die einzige Person, die es ihnen richtig vorleben könnte und sollte, hat die Realität verschlafen.

Das wiederum kann aus meiner Sicht fatale Folgen haben. Denn ein unglückliches Elternteil, dass sich aus der Schlinge seines Lebens nicht befreit (eventuell nur emotional, gedanklich oder gar real), legt mit hoher Wahrscheinlichkeit die Wurzel für eine – auf lange Sicht gesehen – ungesunde Basis für das Leben ihrer Sprösslinge. Ich weiß, wovon ich rede, bei mir hat es 30 Jahre gedauert!!!

Denn der alte Spruch: „Schaffe, schaffe, Häusle baue.“, ist zwar immer noch bekannt, sein Inhalt jedoch seit langem überholt. Wir alle wissen, dass man mit einem Haus allein nicht glücklich wird. Wir alle wissen, dass man wahrscheinlich auch nicht mit einem zweiten oder dritten Auto glücklich wird (wobei weder meine Mutter noch irgendwelche anderen Alleinerziehenden Mütter, die ich kenne, im finanziellen Luxus schwelgen).

Zeit

by Rachael Crowe

Materielles ist so unwichtig, wenn wir unsere Zeit dafür eintauschen. Das Wichtigste, das uns geschenkt wurde, ist ZEIT. Zeit, die wir nutzen können, um dieser Welt einen Mehrwert zu bieten: Hilfreich, gütig, freundlich sein, sich selbst reflektieren, Grenzen setzen lernen, „Nein“  sagen lernen, „Ja“ sagen lernen (!), Ängste über Board werfen UND Essen machen für die Kids. Wenn ich glücklich und frei bin, dann schmeckt mir selbst das Essen auch besser.

So, vielen Dank für eure Aufmerksamkeit. Ich bin hundemüde und gönne mir jetzt eine Mütze Schlaf. Bitte verzeiht die Schreibfehler, die Botschaft ist bestimmt trotzdem einigermaßen verständlich gewesen. Liebt euch selbst jeden Tag mehr und mehr. Zeigt euren Lieblingsmenschen, was ihr empfindet und wer ihr seid. Keiner von uns (zumindest ich nicht) will auf seinem Grabstein zu stehen lesen: „Sie war zwar unglücklich, aber dafür hat sie hart gearbeitet.“

Schön, dass es euch gibt!!!
Tatjana

Freiheit

Tief durchatmen und Dankbarkeit fühlen – Es gibt nichts Schöneres. Photo by Yoann Boyer

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