Vereinbarkeitsmuffel oder nur verdrehte Vorstellungen?

Wie uns alte Denkmuster von Vereinbarkeit abhalten.

Die heiße Phase hat begonnen

Mittlerweile bin ich im 8. Monat schwanger und befinde mich mitten in der Vereinbarkeitsplanungsphase. Gibt es den Begriff schon? Wenn nicht, dann ist das hiermit die offizielle Einführung. Auf meiner Suche nach mehr Vereinbarkeit hatte ich euch in dem vergangenen Artikel Selbstständig, plötzlich alleinerziehend und schwanger – wie soll das bloß funktionieren? gefragt, welche Tipps ihr mir geben könnt.

Euer Feedback

Es gab einige nette Zuschriften bzw. persönliche Feedbacks, worüber ich sehr dankbar bin. Außerdem wurde der Artikel von dem Online Magazin EDITION F gefeatured, was außerhalb dieses Blog für Input gesorgt hat.

Ein Kommentar im Besonderen hat mich nachhaltig zum Nachdenken gebracht, in dem die Leserin mir geraten hatte, 6 Monate oder 1 Jahr komplett aus der Arbeitswelt auszusteigen und mich auf die Dinge zu konzentrieren, die nun wichtig seien: Kleinkind, Neugeborenes (im März/April), der Haushalt und mein Wohlbefinden.

Auf den ersten Blick scheint dies der beste Weg zu sein. Es handelt sich hierbei um einen Vorschlag, den mir jeder rät. Auf den zweiten Blick merkt man aber, dass nach Meinung vieler Menschen eher mein Job zurückstecken sollte als mein Haushalt. Ehrlich gesagt hat mich dieser Gedankengang nicht gewundert, aber dennoch geschockt.

Arbeit macht keinen Spaß?

Ich liebe arbeiten. Ich arbeite nicht für einen guten Lebenslauf. Ich arbeite nicht nur für Geld. Viele meiner Bekannten haben den Glaubenssatz, dass man Jobs machen muss, die einem Energie und Zeit rauben, schlecht bezahlt sind, nicht wertgeschätzt werden usw. Nicht selten geraten auch studierte und erfahrene Eltern an diesem Punkt, spätestens nach der ersten Elternzeit. Jobsuche mit Kind ist ein Thema, über das man unendlich lange sprechen kann – siehe Das Mutter-Jobsuche-Experiment. Selber schuld?. Andererseits gibt es auch die Eltern, die ihre Kinder dann gezwungener Maßen täglich 8 Stunden in die Kita geben müssen (ohne es zu wollen) und abends mit einem schlechten Gewissen und wenig Energie auf die Couch fallen.

Häufig höre ich Sätze wie „Man kann nicht alles haben“, „Nobody said it was easy“, „Wat mutt, dat mutt“. Ich frage mich dann immer, ob ich selbst einfach zu wenig Realitätssinn verspüre. Andererseits frage ich mich auch, ob diese Sätze der Eltern vielleicht nur ungefilterte, nachgeplapperte Wahrheiten aus der frühen Industriezeit sind, die man auch mal in Frage stellen darf. Wo steht denn geschrieben, dass man nicht alles haben kann? Oder zumindest: Wo steht geschrieben, dass man nicht ein Leben führen WOLLEN darf, dass nach der eigenen Nase tanzt?

Scheiß mal auf den Haushalt?

Hmmm, ja das würde ich gerne tun! Aber wenn das Chaos Überhand nimmt, ist das für die Kids überhaupt nicht gut! Daher muss ich gezwungener Maßen den Haushalt zurück auf die Prioritätenliste setzen, obwohl ich ihn sehr gerne streichen würde. Dennoch habe ich mir eine Sache tief und fest geschworen: Der Haushalt wird in den kommenden Wochen so stark ausgelagert oder umgelagert, dass ich tatsächlich nur noch einen Bruchteil von dem erledigen muss, was bisher noch zu tun war.

Meine Arbeitsliste umfasst aktuell grob:

  • Kochen
  • Einkaufen
  • Aufräumen, Einräumen
  • Putzen (Bad, Böden, Oberflächen, Geschirr, Fenster, Staub usw.)
  • Wäsche (Waschen, aufhängen, trocknen lassen, abhängen, bügeln, zusammenlegen)

Dass wir Kühlschränke und Waschmaschinen haben, ist Normalität. Alles andere wird oft als überflüssiger, umweltbelastender Luxus beschrieben, für deren Nutzung man sich fast schämen sollte. Immer noch sind es häufig(er) die Frauen, die tolle High-Tech-Geräte mit einem Mangel an Engagement und Familiensinn gleichsetzen. Warum eigentlich?

Daher habe ich beschlossen, mir nicht nur einen Kühlschrank und eine Waschmaschine zu gönnen, sondern auch einen Geschirrspüler und einen Trockner – keine Sorge, gleich abbezahlt :-D. Da ging natürlich erstmal einiges an Geld aus der Haushaltskasse raus, aber langfristig betrachtet sollte das Ganze ja auch Sinn machen! In meiner 2-Zimmerwohnung mit 53 Quadratmetern, die ich bald mit einem Kleinkind UND einem Neugeborenen bewohnen werde, ist ein Wäscheständer nicht nur platzraubend, sondern eine Gefahrenquelle und ein beliebtes Spielzeug. Mein Sohn findet Wäsche aufhängen super, abhängen aber auch 😦

Vorstellungen von Vereinbarkeit

Jeder von uns hat eine andere Vorstellung von Vereinbarkeit. Für mich bedeutet Vereinbarkeit, dass ich mir das Leben so mache, wie Pipi Langstrumpf. Eben so, wie es mir gefällt. Mein Leben soll nach meiner Nase tanzen, und nicht umgekehrt! Das klingt vielleicht etwas rebellisch, vielleicht sogar illusorisch oder utopisch. Aber Vereinbarkeit bedeutet für mich nichts weiter, als dass ich entscheide, was in meinem Leben Priorität haben soll. Leider gehört der Haushalt überhaupt nicht auf meine Prioritätenliste. Manch einer macht den Haushalt vielleicht lieber als den eigenen Job – leider bin ich da anders. Wenn ich den Haushalt mache, kostet mich das Energie und Zeit und ich bin froh, wenn ich es hinter mir habe. Je stärker ich den Fokus auf Ordnung lege, umso unordentlicher komme ich mir vor – ein ganz normales psychologisches Phänomen.

Bei uns muss man sich wohlfühlen können und es soll auch ordentlich und sauber sein, aber das bedeutet noch lange nicht, dass der Haushalt MEINE Zeit kosten darf. Faktisch geht bei mir die Arbeit vor – besonders, weil sie mir Energie schenkt und Spaß macht.

Was ein Trockner mit Vereinbarkeit zu tun hat

Ganz einfach. Der Trockner spart mir Zeit, Platz und macht indirekt Ordnung. Wäscheberge müssen nicht 2 Tage warten, bis der Wäscheständer wieder frei ist. Ich muss ohnehin keinen Wäscheständer mehr aufstellen (und bewachen). Ich muss die nasse Wäsche nicht sortieren und aufhängen, um sie dann nach 2 Tagen erneut zu sortieren und abzunehmen. Ich nehme lediglich die nasse Wäsche aus der Waschmaschine, stopfe sie in den Trockner und wenn das ganze Trocken ist, muss ich nur 1 x sortieren und 1 mal räumen. Das Ganze dauert 3 Stunden und wenn ich dringend ein Teil aus der schmutzigen Wäsche brauche, ist es schnell nutzbar. Die Wäsche ist weicher, wenn sie aus dem Trockner kommt und ich muss überhaupt nicht mehr bügeln. ICH HASSE BÜGELN und mache das schon ewig nicht mehr.

Wenn ich irgendwann eine Haushaltshilfe habe (so Gott will), kann sie die Wäsche trocknen, während sie putzt (Wunschtraum?). Ihr seht, ich plane also für die Zukunft. Die Zukunft, die nach meiner Nase tanzen soll.

Diese Zukunft erreiche ich nicht, wenn ich dem Haushalt mehr Wichtigkeit schenke, als der Arbeit. Diese Zukunft erreiche ich nur durch „Vereinbarkeitsplanung“ und durch die geschickte Organisation des Haushaltes durch elektronische und menschliche Hilfskräfte. Ich kenne aus meiner studentischen Vergangenheit (als ich noch in der MHH die Kantine geputzt habe) nette Leute, die mit voller Leidenschaft den Haushalt führen UND PUTZEN! Für mich unfassbar, aber dass jemand Mathematik studiert, habe ich damals ebenso wenig verstanden.

Für diejenigen unter Euch, die es interessiert, welchen Trockner ich mir zugelegt habe, kann ich gerne ein paar Infos geben.

  1. Ich habe einen Wärmepumpentrockner mit Wasserbehälter gekauft (soll der letzte Schrei sein)
  2. Marke Hoover – weil günstig
  3. Gerätebezeichnung „Hoover VTH 980 NA2T Wärmepumpentrockner – 8 kg“
  4. Preis: Unter 380€ – war der Günstigste, den ich bei AO gefunden habe.
  5. Schwerpunkte für mich waren Kindersicherung und A++
  6. Digitales Display
  7. Keine Lieferkosten

Falls ihr mehr wissen wollt, schaut euch die Details im Produktdatenblatt an. Ob das Ding auf lange Sicht hält, was es verspricht, kann ich Euch nicht sagen. Mein Sohn und ich finden ihn super und nach anfänglichen Schwierigkeiten wird die Wäsche supertoll trocken – trotz Spottpreis. Wenn das Neugeborene bald zusätzliche Wäsche produziert, sind wir nun um einen weiteren Schritt näher an der Vereinbarkeit dran.

Gedrückt,

Tatjana

2 Antworten zu „Vereinbarkeitsmuffel oder nur verdrehte Vorstellungen?“

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